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Willkommen beim Matze in Ghana

Auf dieser Webseite werde ich euch über mein Jahr in Ghana berichten und mit Fotos versorgen. Kontakt könnt ihr mit mir über das Gästebuch aufnehmen.

Resümee

Bevor ich in meinem letzten Eintrag nochmal eine kleine Zusammenfassung von dem versuche was ich so in meinem Auslandsjahr erlebt und erfahren habe, muss ich zuerst beschreiben, was die letzten Tage in der Schule so passiert ist. Letzten Freitag waren dann also die Pruefungen zu Ende und ich hatte meine Klausuren auch schon ueber das Wochenende korrigiert. Um die Studenten auf die doch ziemlich schwierigen Exams im November vorzubereiten gestaltete ich die Mathe Klausuren etwas schwerer, weshalb wohl auch 8 Studenten durchfielen (36%). In Science war das nur einer und die Klausuren sind da auch deutlich besser ausgefallen (dieses Fach wird aber im November auch garnicht abgefragt von daher wollte ich die Studenten nicht unnoetig belasten). Am letzten Sonntag gab es dann noch meinen letzten Church service an der Schule. Diesmal war ich nicht nur im Chor mit dabei, sondern wurde auch dazu forciert einen Gospel alleine zum Besten zu geben.... was man nicht alles macht wenn man mal ein Jahr im Ausland war ; ) Nach der Kirche hatten wir dann noch ein paar Gruppenfotos im Churchdress gemacht (zu sehen unter DVTC in der Galerie)
Am folgenden Tag gab es dann nochmal Fufu fuer alle. Ich dachte mir ich muesste der ganzen Schule zum Abschluss nochmal ein kleines Fest bereiten, dass heisst gekocht haben sie eigentlich alleine und ich kaufte nur die Zutaten. Die Cassavas kamen dabei sogar von der hauseigenen Farm. Zu bewundern ist diese fast schon archaisch anmutende Zeremonie unter “ghanaian food”.
Am Dienstag den 18.08. ging es dann am Nachmittag auf ein Fussballspiel in Kumasi gegen eine von Vodafone gesponsorte Frauenmannschaft. Diesmal spielte ich auch mit, allerdings konnte ich bei dem doch eher bescheidenen Pflichtsieg von 3:1 leider nur das Aluminium und nicht das Netz wackeln lassen...schade. Unter “Kumasi” ist dehalb auch noch ein Gruppenfoto der ersten Elf zu sehen. Am abend startete dann meine Abschlusfete mit den Schuelern. Ich besorgte Softdrinks aus den Bars an der Strasse, die Catering Lehrer machten rice and stew und mit dem dorfeigenen gemieteten DJ konnte der Spass auch schon losgehen. Bis um 11pm wurde getanzt, gelacht und gesungen, wobei am Ende durch die grosse Anzahl von Leuten aus dem Dorf eine kleine unschoene Auseinandersetzung zwischen Studenten und Dorfjugend leider nicht zu vermeiden war.

Am Mittwoch stellte ich gluecklicherweise dann auch endlich meine Weltkarte fertig (\\\"own products\\\"). Gerade rechtzeitig um den Schuelern noch ein paar erklaerende Worte darueber mit auf den Weg zu geben. Nach der Abschlussbesprechung und meiner Verabschiedung am Nachmittag gab es dann naemlich auch schon die Zeugnisvergabe, nach der die Schueler alle in ihre Heimatdoerfer in die dreiwoechigen Ferien entlassen wurden. Am Donnerstag gab es dann die Abschlussbesprechung inclusive Party mit den Staffmitgliedern. Es gab am Ende nochmal viel Dank fuer die Gelder die gespendet wurden und die Dinge die ich damit vollbringen konnte. Ich kann diesen Dank nur an die betroffenen Spender weiterleiten. Unter “visitors from germany” habe ich uebrigens die Buecher abgebildet, die ich mit den Geldern kaufen konnte. Von insgesamt 700 gespendeten Euro (1400 Ghana cedis) hatte ich ca. 200 Euro (400GHc) in Buecher und 500 Euro (1000Ghc) in die Bezahlung von Schulgebuehren von insgesamt 11 beduerftigen, hoffnungsvollen Schuelern investiert. Vielen Dank an alle Beteiligten und Verantwortlichen. Da ich die uebrigen Gelder naemlich in die Bezahlung der Gebuehren fuer den folgenden und somit letzten Term der Schueler inverstierte, koennen wir uns sicher sein, dass diese 11 Schueler (namentlich: Sophia, Donatus, Paul, Jemaima, Sakina, Faustina, Faustina, Anthony, Prince, Augustina und Gifty) im entscheidenden letzten Term aussnahmsweise ohne Geldsorgen studieren koennen.
Alles in allem war der Abschied aus meiner zweiten Heimat ein sehr gelungener und ich habe Denchemuoso nicht mit dem Gefuehl verlassen etwas falsch gemacht oder vergessen zu haben.

Ich bin nun gerade in Accra bei Millicents Tante und wollte von Montag bis Donnerstag versuchen noch einen Eindruck des franzoesischen Westafrikas in Togo zu bekommen. Am Donnerstag um 22.45 Uhr hebe ich dann nach Frankfurt ab (Ankunft ca. 7:30Uhr).

Um nun nochmal ein kleines Resumee zu verfassen, wollte ich ein paar wenige Erwartungen nennen, die ich hatte als ich nach Ghana kam. Zum einen erwartete ich eine Verbesserung in meinen Englischkenntnissen, zweitens war ich natuerlich gespannt auf eine voellig neue Umgebung, Kultur sowie Menschen und Lebensalltag. Drittens erwartete ich noch etwas zu erfahren, von dem ich wusste, dass ich mir es noch nicht vorstellen konnte. Ich erwartete quasi das Unerwartete.
Zum ersten ist zu sagen, dass sich meine Fertigkeiten bezueglich der englischen Sprache natuerlich verbesserten. Allerdings hatte ich erwartet mit wesentlich mehr Englisch konfrontiert zu werden als ich schliesslich wurde. Ich konnte eben nicht wissen, dass in der Ashanti Region die Tradition noch so sehr selbige ist, dass die Menschen praktisch kein Englisch in der Oeffentlichkeit sprechen. Zum einen lernte ich dadurch natuerlich weniger Englisch, zum anderen aber, wenn auch nur fragmentarisch, eine komplett andere Sprache kennen. Ab und zu ein bisschen Twi mit den Leuten im Dorf zu sprechen hat ja auch mir ein bisschen Spass gemacht. Am Meisten haben sich aber wohl die Verkaeufer gefreut, denen die Freude ueber einen weissen Twi-Sprecher immer sofort anzusehen war. Verbunden mit der starken Tradition ist neben der Sprache aber auch noch der Tanz. Die Erfahrung des archaischen Ashanti Tanzes, genannt Adowa, wuerde ich auf keinen Fall missen wollen. Dieser beeidruckte mich schon bei seiner ersten Begegnung vor ca. 10 Monaten und lies mich seit dem auch nicht mehr los. Die Faszination ging soweit, dass ich bei dem letzten Samstag-abend-entertainment vor drei Wochen neben highlife dancing und Gesang-Wettbewerb auch eine Adowa dancing competition in unserer Schule mitveranlasste. Zu sehen ist der Tanz auf der bekannten Internetplatform youtube unter :
http://www.youtube.com/watch?v=YAtiyi-e178

Manchmal ging mir das staendige Twi leider auch ziemlich auf die Nerven. In solchen Situationen war ich dann besonders froh wenn ich einen deutschen Mitbewohner hatte (immerhin ca. dreieinhalb Monate der Fall gewesen), andere Europaer im uebernaechsten Dorf besuchen konnte oder eine deutsche comedy-DVD im Zimmer auf einem ausgeliehenen tragbaren DVD-player schauen konnte. Meine Kroemer und Schmidt-DVDs kann ich jetzt jedenfalls auswendig ; -)
Haette ich nicht immer englische Buecher gelesen, haette meine sprachliche Entwicklung wahrscheinlich auch ein bisschen anders ausgesehen. Ich habe auch gemerkt, wie man sich an das lokale ghanaische Englisch anpasst und teilweise gar nicht mehr merkt, dass man gerade einen Satz geprochen hat, der grammatikalisch vollkommen willkuerlich zusammengesetzt war. Um richtig gutes Englisch zu lernen sollte man daher wohl doch eher in ein Land gehen in dem Englisch nicht nur working language ist.

Zum zweiten Punkt kann ich eigenlich nicht viel sagen. Man muss eben in ein anderes Land gehen um Kultur, Menschen und Leben kennen zu lernen. Was mich nur etwas traurig stimmt ist, wie der Einfluss der weitgehend uniformen, kapitalistischen, westlichen Gesellschaften auch die ghanaische Gesellschaft beeinflusst und veraendert bzw. angleicht. Die afrikanische Tradition scheint durch diese Kulturverdraegung Stueck fuer Stueck verloren zu gehen. Der Wiederstand der hartnaeckigen Ashantis ist ihnen aus dieser Sicht wieder hochanzurechnen.

Eines ist mir jedoch bei dem Vergleich zweier Kulturen und Gesellschaften aufgefallen. Eigenschaften, von denen man glaubt sie traefen nur auf einen selbst zu, scheinen einfach europaeische Charakteristiken zu sein. Andere Charakterzuege sind dann Deutsche, wieder andere Hessisch oder sogar typisch fuer einen Muehlheimer. Auf der anderen Seite gibt es genauso afrikanische, westafrikanische, ghanaische und ashanti-typische Charakteristiken. Diese Erkenntnis zeigte mir, wie sehr der Mensch doch von seiner Umgebung geformt und gepraegt wird.

Von Beginn zum Ende meiner Auslandsreise begleitete mich immer ein ganz bestimmtes Gefuehl. Ich nenne es mal Africa-feeling. Ich hatte es als ich am ersten Tag 28.08.08 in Accra landete und werde es immernoch haben wenn ich am 27.08.09 wieder abhebe. Es handelt von den Eindruecken und Empfindungen der ghanaischen Menschen. Ich habe es manchmal wenn ich ueber das Leben der Menschen hier nachdenke und ihre Situation und Lebenslage versuche nachzuempfinden. Es ist eine Mischung aus Bedauern, Mitgefuehl und Bewunderung ueber die Ungerechtigkeit bzw. das schlichte Pech das ihnen in die Wiege gelegt wurde. Man koennte nun sagen, die Menschen hier wuessten ja nicht wie leicht das Leben anderswo ist, und wissen daher gar nicht um ihre missliche Lage. In der heutigen mediengeplagten, informierten Welt zieht dieses Argument aber allerdings kaum noch. Durch Video, DVD, Werbung, News und Zeitung erfahren die meisten Menschen hier von dem Leben im Ueberfluss anderer. Vor allem von den superreichen amerikanischen Hiphop Stars und europaischen Fussballprofis. Es ist doch faszinierend und ungerecht zugleich, wie unterschiedliche Umweltbedingungen und die zufaelligen Entwicklungen in unterschiedlichen Regionen der Welt im Verlaufe der Jahrhunderte und Jahrtausende Arm und Reich geschaffen haben. Manche vor allem hier in Afrika moegen es als gottgegebes Schicksal bezeichnen, ich kann es dagegen nur als Zufall beschreiben. Setzt man das voraus so kann man als Europaer nur dankbar und gluecklich sein weit genug noerdlich des Aequators geboren zu sein um eben diese grenzenlosen Moeglichkeiten des heutigen modernen Lebens geniessen zukoennen.

Auch die dritte Erwartung an Ghana ist in Erfuellung gegangen. Ich erlebte etwas, das ich mir zuvor noch nicht vorstellen konnte. Ich hatte nicht gedacht, dass dieser Aufenthalt meine komplette Sichtweise ueber die Welt veraendert, aber das tat es.
Ich glaube jetzt, da ich ein anderes Land kennengelernt habe Deutschland viel besser einschaetzen und einordnen zu koennen. Es ist ein bisschen so, wie wenn man in seinem Leben nur Aepfel gegessen hat. Ploetzlich probiert man eine Banane und kann daher eigentlich zum ersten mal sagen, wie der Apfel schmeckt, da man einen Vergleich hat. Je mehr Fruechte man probiert um so besser muesste man dann auch den Geschmack des Apfel einschaetzen koennen....... Allerdings habe ich jetzt erstmal genug von Reisen und Ausland und bin einfach nur froh wieder den guten alten Apfelgeschmack zu erleben.

In diesem Sinne bis bald,
einen letzten schoenen Gruss aus Ghana,
euer Matze

ein letztes mal Pruefungswoche

Es gibt mal wieder ein paar News aus dem Westen Afrikas. Mein letzter Monat hier hat angefangen und letzte Woche Mittwoch empfing ich einen neuen Freiwilligen aus Muenchen der im Schneiderbereich der Schule fuer 4 Wochen taetig sein wird. Wir teilen uns nun also schon seit einer Woche das Zimmer und ich kann schoen den alten Erfahrenen raushaengen lassen, waehrend fuer ihn natuerlich alles noch ganz neu ist. An der Schule war die letzten eineinhalb Wochen nicht so viel los, da letzte Woche National Service Week Celebration war, d.h. fuer alle Zivildienstleistenden in Ghana hies es am Ende ihres Dienstes eine Woche feiern anstatt eine Woche Arbeit. Und, da an unserer Schule aufgrund der erst kuerzlichen Eroeffnung als offizielle Schule ungefaehr 90% Zivildienstleistende sind, hat der Schulleiter die letzten eineinhalb Wochen als \\\"Revision Week\\\" deklariert, weshalb kein Unterricht mehr stattfand und die Schueler nur noch wiederholten. Heute haben dann die \\\"End Term Exams\\\" begonnen, die bis naechsten Feritag andauern. Es ist also grade Pruefungsstimmung am Ende des Terms der offiziell noch bis 19. August geht. Fuer mich heisst das, ich muss meine Science und Mathe Fragen stellen um dann die Schueler in meinen Faechern schriftlich zu pruefen, schliesslich bekommen sie ja auch eine Note am Ende jeden Terms. Allerdings ist mir dessen Stellenwert im finalen Zeugnis noch nicht so ganz klar; ich weis gar nicht ob die Note dann ueberhaupt was zaehlt, da die wichtigen Exams erst im November sind. Die Fragen in Science drehen sich nur um \\\"drug abuse\\\" also Folgen von Drogenmissbrauch wie Alkohol auf die Gesellschaft und den Menschen... in Mathe geht es schon um mehrere Themenfelder. Von Quadratwurzelrechnung ueber Primfaktorzerlegung und algebraische Gleichungen zu Geraden, Winkeln und Vektoren. Nach den Exams wirds fuer mich dann noch mal stressig weil ich die ganzen Klausuren korriegieren muss. Das sind in Science einmal ca. 25 (naemlich die Studenten des zweiten Lehrjahres) und 4 (die Studenten des ersten Lehrjahres), und in Mathe nur einmal die zweitjaehrigen 25 Studenten, also in allem 3 Klausuren. Danach steht nur noch ein Fussballspiel mit einer von Vodafone gesponsorten Frauenmannschaft und meine Abschiedsfete auf der Liste. Am 20 August wollte ich Kumasi dann verlassen um vor der Heimreise am 27.08. nach Lome (Togo) und eventuell die Voltaregion zu bereisen. Bin gespannt ob das alles was wird...

Im Uebrigen glaube ich endlich die am haertesten arbeitende Bevoelkerungsgruppe gefunden zu haben, die afrikanische Mutter. Wenn man es schafft ca. 6 bis 10 Kinder, oft alleinerziehend, grosszuziehen und dabei noch auf der Strasse Essen verkauft um das benoetigte Geld aufzutreiben, kann man sich den Aufwand, sowohl nervlich als auf physisch, nur schwer vorstellen. Ohne eine grosse 'extended family' mit zahlreichen Tanten, Bruedern Schwestern usw. waere das wohl auch nicht moeglich. Wenn ich hier immer Leuten erzaehle, dass ich nur eine Schwester habe, schauen sie mich jedenfalls immer unglaeubig an.

Zu meiner Erleichterung neigt sich die Weltkarte so langsam aber sicher ihrer Fertigstellung (wie in 'own products' zu sehen). Desweiteren habe ich mich selbst geopfert um zu demonstrieren, wie bescheiden das ghanaische Kente dress auf weisser Haut aussieht (unter DVTC zu sehen). Im Album Kumasi sind dann noch ein paar Ausschnitte aus dem schoenen Stadion in der Innenstadt hinzugekommen, indem ich auch die Ehre hatte ca. 5 Minuten anlaesslich der Service Week Celebration zu spielen. Unter Ghanaian Food sieht man dann noch meine Leibspeise (reife Kochbanane mit Bohnen) und wie ich sie selbst erfolgreich zubereitete.

bis bald,
Gruesse aus dem immernoch kalten Ghana (das Wetter ist hier teilweise sogar so kalt, dass sich einige Studenten abends manchmal einen Pullover oder eine Trainingsjacke ueber die Schuluniform ziehen muessen ; )
euer Matze

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